Jahr 1995, Frontier: First Encounters liegt auf dem Tisch und ich verbringe die nächsten sechs Stunden damit, mein Schiff von der Landeplattform zu starten, ohne es in die Hangardecke zu rammen. Der dritte Teil der Elite-Serie – dummerweise damals auf dem tschechischen Markt als „Elite 3" umbenannt – war einer der ehrgeizigsten Weltraum-Simulatoren seiner Zeit. Leider aber auch einer der schmerzhaftesten bei der Veröffentlichung.

First Encounters knüpft an Frontier: Elite II von 1993 an und hält sich an die gleiche Philosophie: unendliche Galaxie, freie Bewegung, keine festgelegte Geschichte, die dich an der Nase herumführt. Du sitzt im Cockpit, bekommst ein Schiff, und das ganze Universum ist dein Problem. Du möchtest handeln, Passagiere transportieren, Kopfgelder jagen, Asteroiden abbauen oder einfach von System zu System wandern? Das bleibt dir überlassen. Das Spiel gibt dir keinen Quest-Log. Es gibt dir Physik und Wirtschaft.
Die Mechaniken sind rau und unerbittlich. Newtonsche Physik bedeutet, dass du dein Schiff tatsächlich abbremsen musst, sonst schießt du wie ein Stein an deinem Ziel vorbei. Der Autopilot hilft, aber die Zuverlässigkeit der älteren Version des Spiels – die mit schwerwiegenden Bugs startete – könnte sogar die ruhigsten Landeanflüge ruinieren. Die Andocksequenz ist eine Mischung aus Konzentration und Gebet. Kämpfe sind schnell und erbarmungslos. Wer einen Arcade-Shooter erwartet hatte, hätte die Box bereits vor dem Abendessen zurückgegeben.

Was mir am meisten von First Encounters in Erinnerung bleibt, ist nicht irgendeine bestimmte Mission. Es ist dieses Gefühl der Leere zwischen den Sternen – in den Hyperraum springen, Stille, dann ein neues System auf dem Radar. 1995 bot niemand sonst etwas in diesem Ausmaß an. Das Spiel startete leider unvollständig: GameTek drängte auf Veröffentlichung, der Code war instabil, und Spieler bekamen im Grunde eine Beta-Version. Entwickler David Braben hat das nie völlig geleugnet. Patches verbesserten die Dinge, aber der Ruf war beschädigt.

Heute passt das Spiel zu einem bestimmten Menschentyp – jemandem, der erfahren möchte, woher die DNA von Spielen wie Elite Dangerous kommt, und der Geduld für eine steile Lernkurve ohne Tutorials hat. Du kannst es in deinem Browser über DOSBox-Emulation ohne großen Aufwand starten. Rechne nur damit, die erste Stunde mit dem Handbuch zu verbringen und die zweite damit herauszufinden, warum dich die Zollpatrouille gerade vaporisiert hat. Das gehört dazu.