Eine Figur blickt sich in der Arena um, ballt die Fäuste und wartet. Das ist Little Fighter — ein bescheidenes Beat-em-up aus der Mitte der neunziger Jahre, das Street Fighter für jene sein wollte, die sich kein Amiga leisten konnten.

Es ist ein unkompliziertes Actionspiel, in dem zwei Spieler (oder Spieler gegen Computer) in verschiedenen Arenen kämpfen. Die Charaktere sind Pixel-Schrott, die Arenen sind karg, die Musik schleift endlos. Simpel, roh, ohne Anspruch auf Politur. Der Verleger und die Schöpfer verblassen in verfügbaren Quellen — das Spiel taucht hier und da in repliziertem Code auf, überlebt eher dank Archäologen der Computerspiele als durch offizielles Interesse.
Die Steuerung ist elementar: Bewegung, zwei Angriffsbuttons, Sprung. Combos sind nicht kompliziert, die Schlagkraft hängt davon ab, wie lange du den Button hältst. Das Gameplay läuft auf einen Schlagabtausch hinaus — du bewegst dich, wartest auf den Fehler des Gegners, greifst an, ziehst dich zurück. Keine Spezialmanöver, keine Signature Moves, keine Grafik, die dich hungrig nach mehr macht. Es ist Arbeit — Routinearbeit, die du nur machst, weil dein Kumpel neben dir sitzt und spielen will.
Little Fighter verkörpert jene Schicht früher DOS-äraer Spiele, die keine Ambitionen hatten. Es war nicht Mortal Kombat, es hatte keinerlei Anspruch, eines zu sein. Es existierte, weil es existierte, gespielt in Computerlaboren und Dorfgemeinschaftszentren, wo der Discovery Channel alle bereits zu Tode gelangweilt hatte und man einwählen musste, um online zu gehen. Wenn man es heute anschaut, sieht man nur das Skelett — keine Substanz, keinen Glanz, keinen Grund, sich zu kümmern.
Heutzutage spielst du es meist aus Neugier. Du willst sehen, wie ein Beat-em-up Mitte der neunziger Jahre mit keinem Budget und kein Talent gemacht wurde. Oder du willst dich in das Summen hineinversetzen, das eine Generation von achtzehn Jahre alten Leuten hörte, während sie sich langweilten und in der Zahnarztpraxis warteten. Es läuft im Browser, du kannst es ohne Aufhebens probieren — und dann fragst du dich meist, warum du überhaupt geklickt hast.