September 1994. Auf meinem Schreibtisch neben dem Monitor liegt eine frisch gekaufte Box von UFO: Enemy Unknown, die ich noch gar nicht angerührt habe, weil ein Freund Disketten mit Sabre Team mitgebracht hat. So ist dieses Spiel im Grunde auf dem Schrotthaufen der Geschichte gelandet — nicht weil es schlecht war, sondern weil es zum falschen Zeitpunkt kam.

Sabre Team von Krisalis Software ist ein rundenbasiertes Taktik-Strategiespiel, in dem du eine kleine Einheit von Spezialeinheiten bei Rettungsmissionen befehligst. Keine Alien-Invasion, kein Basenbau — rein irdische Szenarien mit Geisel, Terroristen und geschlossenen Gebäuden, die du von Eingang zu Ausgang durchqueren musst. Die Atmosphäre ist nüchtern, beinahe militärisch sachlich, was für die damalige Zeit ein eher ungewöhnlicher Ansatz war.
Das Gameplay ist rundenbasiert, jeder Soldat hat Aktionspunkte, und Bewegung sowie Schießen sind klar voneinander getrennt. Wer X-COM kennt, wird sich sofort zurechtfinden, nur auf viel intimerer Skala — statt offener Karten bekommst du Gebäudeinnenseiten, Flure, Zimmer. Jedes Öffnen einer Tür ist eine Entscheidung. Feinde haben Patrouillenrouten und ein Schusswechsel in einem engen Flur trifft härter als der Kampf gegen einen Ethereal auf offenen Gelände. Die Steuerung ist funktional, die Grafik für die Zeit solide, der Sound unauffällig. Nichts, das dich aus dem Sitz werfen würde, aber auch nichts, das dich abschrecken würde.

Das Problem war, dass Krisalis das Spiel ursprünglich auf dem Amiga veröffentlichte, wo es sich einen ordentlichen Ruf aufbaute, aber die PC-Version kam genau zur gleichen Zeit wie ein Titel, der das gesamte Genre praktisch definierte. Rezensenten und Spieler schauten woanders hin und Sabre Team geriet in Vergessenheit. Im Nachhinein ist das schade — das Spiel hat seinen eigenen Rhythmus und die Missionsstruktur mit Schwerpunkt auf Geiselrettung verleiht ihm einen anderen Charakter als das bloße Niedermähen von Aliens. Heute ist es respektabel gealtert. Das rundenbasierte System hält, die KI der Feinde ist vorhersehbar, aber nicht völlig dumm, und die Schwierigkeit ist solide.

Heute wird es all denen gefallen, die taktische Spiele in kleinem, konzentriertem Maßstab lieben und nicht von einfachen Grafiken abgeschreckt werden. Es ist nicht X-COM und wollte es nie sein. Es ist ein kompaktes, gut durchdachtes Spiel, das mindestens eine abgeschlossene Mission verdient — wenn nur, damit du weißt, was damals durchs Netz ging.