Juni 1991, drückende Hitze draußen, ich sitze im Keller mit einem Ventilator auf voller Kraft und versuche herauszufinden, warum der Moderator mitten in einer Live-Sendung abhaut. Mad TV damals war wie die Antwort auf eine Frage, die sich niemand bewusst gestellt hat — was wäre, wenn man Fernsehstations-Chef sein könnte, aber so richtig zynisch?

Rainbow Arts veröffentlichte 1991 einen Simulator, in dem man einen Fernsehsender leitet — von Sendelizenzen über Programmpläne bis zur Live-Broadcast-Krisenbewältigung. Das ist keine entspannte Tabellen-Management — das sind nervenaufreibende Operationen, bei denen alles zusammenbricht, sobald du denkst, endlich einen Plan zu haben. Die Inszenierung ist absichtlich übertrieben, der Humor ist schwarz wie die Nacht, und die Fernsehbranche sieht genau so aus, wie die meisten Menschen sie sich ohne Behind-the-Scenes-Dokumentationen vorgestellt haben.
Das Gameplay hat zwei Schichten. Zunächst die strategische Seite — du kaufst Shows, planst Sendeplätze, achtest auf dein Budget und versuchst, Konkurrenten vom Markt zu verdrängen. Die zweite Schicht ist Arcade-Management während Live-Sendungen, wo du mit technischen Fehlern, unzuverlässigen Schauspielern oder vielleicht einer fünfminütigen Programmlücke in Echtzeit umgehen musst. Diese Kombination der beiden Modi macht das Spiel anders als den durchschnittlichen Tabellen-Sim — du bist dir nie sicher, ob du es geschafft hast. Die Steuerung ist etwas klobig und die Benutzeroberfläche erfordert Geduld, die jüngere Spieler von heute vielleicht eher als Bestrafung denn als Teil des Spaßes sehen könnten.

Am lebendigsten erinnere ich mich an das Gefühl der Instabilität. Das Spiel gibt dir niemals Luft zum Atmen. Es ist ungleichmäßig gealtert — die Kernidee ist immer noch genial simpel und das Echtzeit-Chaos funktioniert heute noch, aber optisch ist es ein typisches DOS-Produkt von 1991 ohne Ambitionen, jemanden ästhetisch zu beeindrucken. Die Dokumentationen und Anleitungen von damals waren notwendig, keine optionale Lektüre — ohne sie hättest du länger herumgefummelt, als angenehm war.

Heute spricht es vor allem jene an, die Sims mit echtem Biss lieben und nicht erwarten, dass das Spiel jedes System geduldig erklären wird. Es läuft problemlos im Browser über DOSBox-Emulatoren, und zwanzig Minuten reichen völlig aus, um zu entscheiden, ob diese Mischung aus Stress und düsterem Humor deine Zeit wert ist. Für mich war es das — und ist es immer noch.