Moorhuhn begann 1999 nicht als kommerzielles Produkt, sondern als Werbegeschenk, in Auftrag gegeben von einer Whisky-Marke und entwickelt vom deutschen Studio Phenomedia. Die Prämisse könnte kaum simpler sein: Ein Schwarm gezeichneter Hühner flattert und stolziert über eine ländliche Landschaftskulisse, und man hat ein festes Zeitlimit, um so viele wie möglich für Punkte abzuschießen. Das ist das gesamte Spiel, und es wurde zu einem echten Phänomen in ganz Deutschland und weiten Teilen Europas.

Was es sich wie ein Lauffeuer ausbreiten ließ, war seine Zugänglichkeit. Es war kostenlos, winzig und lief auf jedem Büro-PC, was es zum klassischen Zeittotschläger machte, der an Arbeitsplätzen und in Schulen herumgereicht wurde, wenn eigentlich niemand Spiele spielen sollte. Vögel näher an der Kamera sind weniger Punkte wert als weiter entfernte, sodass die Jagd nach einem hohen Score bedeutet, auf die schwierigeren, kleineren Ziele zu zielen, die über den Horizont flitzen. Das Fadenkreuz schwenkt über eine scrollende Szene, während die Hühner gackern und auf befriedigend komische Weise umkippen.

Hier gibt es keine Tiefe, und keine war beabsichtigt. Es ist ein reines Arcade-Reflex-Spielzeug, und sein Charme kommt ganz aus seiner heiteren Albernheit und dem Wettbewerbsjucken, die Zahl eines Freundes zu schlagen. Der durchschlagende Erfolg führte zu einer ganzen Reihe von Fortsetzungen und Ablegern. Heute steht es als schrulliges Denkmal des Advergame-Booms der späten 1990er, eine Erinnerung an die Zeit, als ein simpler Hühnerschuss stillschweigend die Mittagspausen eines ganzen Kontinents erobern konnte.