Wenn der Computer die einzige Welt ist, die du verstehst, ist es natürlich, dass du sie komplett beherrschen möchtest. Computer Underground aus dem Jahr 1993 wirft dich genau dort hin — in die dunklen Ecken früher BBS-Netzwerke, wo Systeme gehackt und Daten wie RPG-Questlogs gesammelt werden.
Es ist eine Mischung aus Simulator und Text-Adventure. Du spielst einen Hacker auf einem Computer der Neunziger — mit Zugang zu entfernten Systemen, die du knacken möchtest. Du sammelst Tools (Software), trainierst deine Fähigkeiten (Hacking, Heimlichkeit), drängst in Netzwerke ein und versuchst, deinen Fortbestand nicht zu ruinieren. Alles spielt sich über Textmenüs ab, keine Grafiken, nur Beschreibungen und Zahlen. Es ist wie etwas zwischen einem Tabletop-RPG und einem Simulator, wo du gleichzeitig der Spielleiter und die Statistik bist.
Die Mechaniken sind archaisch, aber genau das ist ihr Charme. Die Optionen sind begrenzt, die Steuerung einfach — Cursor und Enter. Du weißt nie, ob du die Firewall durchbrechen wirst oder ob sie dich erwischen und aus der Datenbank löschen. Scheitern ist sichtbar und es tut weh. Das Spiel dauert etwa fünfzig Minuten, aber diese Zeit ist intensiv — jeder Schritt ist eine Risikokalkulation.
Das Spiel ist ein Kind einer Ära, als das Internet noch etwas Scharfes und Mysteriöses war. Heute, wo Hacking überall in der Popkultur präsent ist, erinnert uns Computer Underground daran, dass es einmal roh war — Text, Logik und innere Spannung. Es hatte keine Ambitionen, cool zu sein, nur authentisch.
Es ist wunderbar gealtert. Keine anfälligen 3D-Modelle, keine kitschige künstliche Mystik, nur ASCII-Art, die ihre Lesbarkeit bewahrt hat. Für alle, die erleben möchten, wie Gaming in DOSBox aussah — ohne Filme und Zwischensequenzen — ist dies genau das Richtige. Es ist kein Meisterwerk, aber es ist die Wahrheit.