Jahr 1993, Mitternacht, Eltern schlafen. Ich sitze an meinem 486 und verschiebe Figuren über ein holzfarbenes Spielfeld, das vom Monitor leuchtet. Grandmaster Chess von Intracorp Entertainment war nicht gerade revolutionär — es war Schach, reines Schach — aber damals reichte das aus.

Worum es geht, ist für jeden klar, der schon mal ein Schachbrett gesehen hat. Schach im digitalen Gewand, keine Geschichte, keine Mission, kein weltenrettender Held. Nur vierundsechzig Felder, sechzehn Figuren pro Seite und ein stiller Krieg, der zwei Minuten oder zwei Stunden dauern kann — je nachdem, wie selbstsicher man ist.
Gesteuert wurde es mit der Maus, was 1993 noch nicht standard bei Schachspielen war. Figur greifen, auf das Zielfeld ziehen, fertig. Keine algebraische Notation, die man in eine Kommandozeile tippt, keine Tippfehler. Die VGA-Grafik sah nach den damaligen Maßstäben solide aus — nicht berauschend, aber sauber. Die Figuren waren sofort erkennbar, das Spielfeld hatte die richtigen Proportionen. Der Computeregner hatte einstellbare Schwierigkeitsgrade, und auf höheren Stufen bestrafte er jeden leichtfertigen Zug ohne Gnade. Auf der niedrigsten Stufe machte er gelegentlich einen Zug, der dich zweimal hinschauen ließ.

Grandmaster Chess brachte nichts Bahnbrechendes auf den Tisch. Es war ein solides Programm für jede Schachsammlung, wenn man einen PC besaß und nicht für teurere Titel wie Chessmaster ausgeben wollte. Es ist genau wie erwartet gealtert — die Engine ist nach heutigen Maßstäben schwach, die Grafik funktional aber ohne Charme, und moderne Freeware-Schachprogramme schlagen es in jeder Hinsicht. Trotzdem hat ein Programm, auf dem man in den neunziger Jahren spielen lernte oder das man seinem Dad zu Weihnachten schenkte, einen ganz eigenen nostalgischen Reiz.

Heute wird es hauptsächlich diejenigen ansprechen, die es damals gespielt haben und dieses Gefühl wieder erleben wollen. Oder neugierige Menschen, die sehen möchten, wie digitales Schach aussah, als Sound Blaster noch eine Neuheit war und das Internet nicht existierte. Als Herausforderung für erfahrene Spieler ist es nicht geeignet — aber als Schnipsel von Zeitgeist-Atmosphäre im Browser, ohne Installation, ohne Umstände, erfüllt es seinen Zweck für einen Nachmittag.